Micron Document
____ _ _ _ _
| _ \ ___ | |_ (_) _ __ ___ __| | (_) __ _
| |_) | / _ \ | __| | | | '_ \ / _ \ / _| | | | / _ |
| _ < | __/ | |_ | | | |_) | | __/ | (_| | | | | (_| |
|_| \_\ \___| \__| |_| | .__/ \___| \__,_| |_| \__,_|
|_|


The NomadNet German Wikipedia | Archives | Info
- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b

🔍 Search

ÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻ

QuÀkertum
──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────
top
Das QuĂ€kertum ist eine religiöse Gemeinschaft mit christlichen Wurzeln im England der 1650er Jahre. Als GrĂŒnder gilt George Fox, aber auch Margaret Fell, Francis Howgill und James Nayler waren von zentraler Bedeutung in der GrĂŒndungsphase. Heute ist das QuĂ€kertum als christliche Denomination zu bezeichnen, wenngleich sich nicht alle QuĂ€ker als Christen sehen und es diesbezĂŒglich eine minderheitliche Interpretation des QuĂ€kertums als einer Universalreligion gibt.

Das Wort QuĂ€ker (englisch Quaker „Zitterer“) war ein frĂŒher Spottname, der fĂŒr die Mitglieder der Religiösen Gesellschaft der Freunde (englisch Religious Society of Friends), so der formelle Name der Organisation der QuĂ€ker, verwendet wurde. Jedoch wurde der Begriff bald von den Mitgliedern selbst adaptiert und ist heute normaler Sprachgebrauch. Das QuĂ€kertum bezeichnet die Gesamtheit der quĂ€kerischen Weltanschauung, Organisationen und BrĂ€uche.

Das religiöse Leben bewegt sich um verschiedene Pole. Eine Grundlage der Weltanschauung der QuĂ€ker ist der Glaube, dass das Licht Gottes in jedem Menschen wohne. Die religiöse Wahrheit wird insofern in inneren Erfahrungen gesucht, womit auch die Bedeutung des menschlichen Gewissens und der MenschenwĂŒrde betont wird. Demzufolge habe jeder einzelne Mensch einen einzigartigen Wert, woraus sich die intensiven BemĂŒhungen der QuĂ€ker verstehen lassen, Erniedrigung und Diskriminierung von Individuen und Gruppen zu verhindern. Andererseits ist man teils streng bibelglĂ€ubig bis hin zu wörtlichen Auslegungen und predigt Ehrfurcht und Gehorsam gegenĂŒber dem Willen Gottes. Da die persönliche religiöse Erfahrung und der direkte Gottesbezug im Zentrum stehen, spielen Riten und Klerus eine vergleichsweise nachrangige Rolle. ReligiositĂ€t und Alltag sind eng verbunden.

WĂ€hrend sich in LĂ€ndern wie dem Vereinigten Königreich und Deutschland die ursprĂŒngliche Einheitsgemeinde erhalten hat, kam es in den Vereinigten Staaten zu einer Spaltung des QuĂ€kertums in die drei Hauptströmungen liberal, konservativ und evangelikal, die auch andernorts teilweise Schule gemacht hat. Weltweit gibt es ca. 380.000 Mitglieder. 49 % davon leben heute in Afrika, 22 % in Nordamerika, 14 % in der Karibik und Lateinamerika, 9 % in Europa und dem mittleren Osten; in Asien leben 6 %.cite-ref-1[1]

1947 wurde den QuĂ€kern, vertreten durch das American Friends Service Committee (Philadelphia) und das Friends Service Council (London), der Friedensnobelpreis fĂŒr ihre Hilfsleistungen verliehen.

Contents

‱ Geschichte
‱ Theologie
‱ Siehe auch
‱ Literatur
‱ Weblinks

──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────

Namensgebung

UrsprĂŒnglich war das QuĂ€kertum eine eschatologische Erweckungsbewegung,cite-ref-2[2] die sich nach Ende des Englischen BĂŒrgerkriegs 1649 aus Dissenters und Seekers herausbildete. In den AnfĂ€ngen des QuĂ€kertums waren eine ganze Reihe von anderen Namen gebrĂ€uchlich, die auch zum Teil den eschatologischen Erweckungsbewegungs-Charakter der Bewegung erkennen lassen. Dies waren unter anderem:

‱ Friends
‱ Friends Among
‱ Friends of the Truth
‱ Publishers of Truth
‱ Quiet Helpers
‱ Saints
‱ Seekers of Truth
‱ Society of Friends

Zu der Entstehung des Namens „Quaker“ (bzw. „QuĂ€ker“) gibt es keine gesicherte Erkenntnis. George Fox gibt in seiner Biographie die folgende ErklĂ€rung dazu:

„Es war Richter Bennet zu Derby, welcher uns zuerst QuĂ€ker genannt hatte, weil ich ihnen gesagt hatte, sie mĂŒĂŸten erzittern vor dem Wort Gottes. Solches geschah im Jahre 1650.“cite-ref-staehelin-34-3-0[3]

Oft liest oder hört man die Behauptung, die QuĂ€ker wĂ€ren fĂŒr ihr ekstatisches Verhalten bei den ZusammenkĂŒnften so benannt worden. Dieser Mythos scheint auf eine Fußnote der Übersetzerin der deutschen Ausgabe der TagebĂŒcher von George Fox zurĂŒckzugehen. Dort heißt es:

„QuĂ€kerer, das heißt ‚Zitterer‘, der Spottname, den die Gegner den Freunden anhĂ€ngten, wegen der in ihren ersten Versammlungen sich einstellenden Konvulsionen.“cite-ref-staehelin-34-3-1[3]

An einer anderen Stelle seiner Autobiographie gibt George Fox den Inhalt eines Briefes wieder, den er aufgrund der Spötteleien verfasste:

„Ein Wort vom HERRN an euch, die ihr ĂŒber das Zittern und Beben spottet; und die ihr solche, welche zittern und beben, verhöhnt, schlagt, bedroht und VerwĂŒnschungen gegen sie ausstoßet. Ihr kennet alle die Apostel und Propheten nicht! [
] Moses, der Richter ĂŒber Israel war, zitterte und bebte, als der HERR zu ihm sagte: ‚Ich bin der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs‘ (2. Mose 3). [
] Der König David zitterte; und sie verspotteten ihn (Ps. 38) [
] Hiob zitterte, bebte; und sie verlachten ihn (Hiob 21) [
] Der Prophet Jeremia bebte; es schĂŒttelte ihn, sein Glieder zitterten, und er taumelte hin und her wie ein trunkener Mann (Jer. 23,9), als er die BetrĂŒgerei der Priester und Propheten sah, die sich vom HERRN abgekehrt hatten. [
] Jesaia sagte: ‚Höret was der HERR sagt, ihr, die ihr erzittert bei seinem Wort‘; und weiter sagt er: ‚Ich sehe an den Elenden und der zerbrochenen Geistes ist und der erzittert bei meinem Wort‘ (Jes. 66,2) [
] Habakuk, der Prophet des HERRN zitterte. [
] Und Joel, der Prophet des HERRN sagte: ‚Blaset die Posaune zu Zion, erzittert alle Einwohner im Land‘ (Joel 2,1) [
] Daniel, ein Diener des Allerhöchsten, zitterte, und er hatte keine Kraft mehr (Dan. 10,16); und er war gefangen, gehasst und verfolgt. [
] HĂŒtet euch darum, ihr Großen der Erde, die zu verfolgen, welche man zum Spott QuĂ€ker (Zitterer) nennt, die aber in der Kraft Gottes sind, damit sich die Hand des HERRN nicht gegen euch kehret und euch verderbe. Es ergeht das Wort des HERRN an euch: fĂŒrchtet euch und zittert und hĂŒtet euch! Denn der HERR siehet den an, der erzittert bei seinem Wort (Jes. 66,2); ihr aber die ihr von dieser Welt seid, verspottet, verlacht, verhöhnt, verfolgt ihn und nehmt ihn gefangen. Daran könnt ihr sehen, daß ihr den Propheten und Aposteln zuwider handelt, wenn ihr die hasset, die der HERR ansieht, wĂ€hrend wir, die ihr im Spott QuĂ€ker nennt, sie achten. Wir ehren und preisen die Macht, die den Teufel erzittern macht, die Erde erbeben lĂ€ĂŸt und den Stolz und Hochmut niederschmettert, [
] Diese Kraft ehren und verkĂŒnden wir; aber alle, die spotten und höhnen und peitschen und plagen, die verabscheuen wir; denn alle, die solches tun und es nicht bereuen, werden das Reich Gottes nicht erben, sondern das Verderben (2. Tess. 1). Selig aber sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; sie werden ihren Lohn im Himmel haben (Matth. 5,12) [
].“cite-ref-4[4]

Voltaire beschreibt diese Art der Namensgebung in seinem 3. Brief ĂŒber die QuĂ€ker in seinen Lettres philosophiques (1778).cite-ref-5[5]

Daraus ist zu sehen, dass die QuĂ€ker in erster Linie dafĂŒr verspottet wurden, dass sie andere vor dem Gericht Gottes und seinem Urteil warnten, das sie als SĂŒnder zu fĂŒrchten hĂ€tten. Hier spielen auch die eschatologischen EinflĂŒsse hinein, unter denen die frĂŒhen QuĂ€ker standen. Das Gericht Gottes wurde nicht in ferner Zukunft erwartet, sondern in absehbarer Zeit. Die Frage, ob ein Mensch zu Lebzeiten, nach seinem Tod oder an einem JĂŒngsten Tag zur Rechenschaft gezogen werde, wird von Fox nicht dogmatisch beantwortet. In dem Brief wird außerdem das Konzept des Sufferings sehr deutlich, also des Leidens der gerechten Sache wegen.

Geschichte

→

Hauptartikel

:

Geschichte des QuÀkertums

Nachdem der Quaker Act 1662 die Versammlungen von QuĂ€kern in England verboten hatte, ermöglichte der Toleration Act von 1689 eine nachhaltige Konstituierung. Schon 1676 formulierte die Apology von Robert Barclay theologische GrundsĂ€tze auf akademischem Niveau und trug so zur Profilbildung bei. Im selben Jahr wurde das Meeting for Sufferings von dem ein Jahr zuvor gegrĂŒndeten London Yearly Meeting organisiert, um Maßnahmen gegen die Verfolgungen zu koordinieren. Bis dahin wurden die regen MissionstĂ€tigkeiten von Margaret Fell in Swarthmoor Hall organisiert. Schon 1657 reichten die Missionsreisen bis zum Sultan von Konstantinopel. Und ein Jahr spĂ€ter wurde sogar versucht, den Papst Alexander VII. in Romcite-ref-6[6] selbst zu bekehren (was fĂŒr einen der zwei Missionare tödlich endete, wĂ€hrend der zweite nur mit MĂŒhe und Not ĂŒber diplomatische Wege befreit werden konnte).cite-ref-7[7] Ein wichtiger Meilenstein war das sogenannte Heilige Experiment, als William Penn von König Karl II. im Jahre 1681 zur Begleichung einer grĂ¶ĂŸeren Geldschuld ein riesiges Gebiet in der nordamerikanischen Wildnis vermacht bekam und zum dortigen Gouverneur ernannt wurde. In der spĂ€ter als Pennsylvania bekannt gewordenen Kolonie galt nun die Religionsfreiheit, nicht nur fĂŒr QuĂ€ker.

Erste Spaltung

Um das Jahr 1827 kam es in Nordamerika zur ersten großen Spaltung zwischen den sogenannten Hicksites und den orthodoxen QuĂ€kern. Im Laufe der Zeit ergaben sich weitere Spaltungen und Wiedervereinigungen.

Heute kann man drei Hauptströmungen unterteilen: evangelikal, konservativ und liberal. Diese Gruppen unterscheiden sich in ihren Ansichten zum Teil erheblich. Das zeigt die folgende tabellarische Übersicht:

| Evangelikal | Konservativ | Liberal |
|---|---|---|
| Spirituelle Erfahrung ist gleichrangig mit der Bibel. | Spirituelle Erfahrung ist wichtiger als die Bibel. | Spirituelle Erfahrung ist allein ausschlaggebend. |
| definiert sich durch Glauben | definiert sich durch Glauben und Form | definiert sich durch Methoden/Form |
| Man versteht sich primÀr als Christ. | Man versteht sich primÀr als QuÀker. | Man versteht sich primÀr als QuÀker. |
| christlich | christo-zentrisch | christlich, post-christlich und non-theistisch |
| Biblische Heilsgeschichte gilt als komplett und unumstĂ¶ĂŸlich wahr. | Biblische Heilsgeschichte gilt als komplett und unumstĂ¶ĂŸlich wahr. | dem Einzelnen ĂŒberlassen, ob er biblische Texte (teils) wörtlich versteht oder nicht |
| Es gibt im Gottesdienst eine Liturgie oder ein Programm. | Keine Liturgie oder Programm | Keine Liturgie oder Programm |
| Es gibt ein personelles Pastoren-Amt zur Leitung der Gemeinde. | Priestertum aller mit unsichtbarer FĂŒhrung (durch den Heiligen Geist) | Priestertum aller mit unsichtbarer FĂŒhrung (durch den Heiligen Geist) |
| Christliche Mission wird als Pflicht verstanden. | Begrenzte Öffentlichkeitsarbeit wird als Pflicht verstanden. | Öffentlichkeitsarbeit wird als verzichtbar erachtet. |
| traditionelle christliche Einstellung zur Sexualmoral | teils traditionelle, teils liberale Ansichten zur Sexualmoral | liberale Ansichten zur Sexualmoral |

SĂ€kulare Quaker

Im heutigen QuĂ€kertum gibt es Mitglieder, die sich nicht mehr als christlich verstehen oder als glĂ€ubig bezeichnen. Dies ist vor allem im liberalen QuĂ€kertum anzutreffen. Sie bilden keine eigene in sich geschlossene Gruppe, sondern sind eine grĂ¶ĂŸer werdende Strömung innerhalb des QuĂ€kertums. Sie werden zum Teil als Nontheistisch QuĂ€ker, Universalistisch QuĂ€ker, Humanist Quaker, Post-Christian Quakers oder Liberal-Liberal Quakerscite-ref-9[9] bezeichnet.

T. Vail Palmer nennt als frĂŒhes Beispiel den QuĂ€ker Arthur Ernest Morgan (1878–1975), der seiner Ortsgemeinde (engl. monthly meeting) erklĂ€rte, dass er keinen Beweis fĂŒr die Existenz Gottes gefunden habe, und dies auch fĂŒr irrelevant betrachte.cite-ref-10[10] Laut einer Untersuchung der UniversitĂ€t Birmingham, sagen 14 % der britischen QuĂ€ker von sich, Atheisten zu sein. 43 % sagen, dass sie sich „nicht in der Lage fĂŒhlten, ihren [/einen] Glauben an Gott zu bekennen“.cite-ref-11[11]

Von Seiten der theistisch-konservativen QuĂ€ker befassten sich in letzterer Zeit die QuĂ€ker-Autoren Benjamin Wood und Mark Russ in ihren BĂŒchern intensiv mit diesem PhĂ€nomen.

Gemeinsame Schnittmenge

Aufgrund des breiten Spektrums an theologischen Auffassungen ist es schwer, AllgemeingĂŒltiges ĂŒber das QuĂ€kertum auszusagen. Der kleinste gemeinsame Nenner dĂŒrfte das sein, was als QuĂ€kerzeugnisse bezeichnet wird. Das „Historische Friedenszeugnis“ ist das einzige, was davon auch schriftlich fixiert wurde. Als weitere Zeugnisse sind unter QuĂ€kern das „Zeugnis der Einfachheit“, das der Gleichheit und das der Wahrhaftigkeit allgemein anerkannt. Da diese Zeugnisse keine theologischen Aussagen machen (bis auf das historische Friedenszeugnis von 1660), können sich auch sĂ€kulare QuĂ€ker damit identifizieren.

QuÀkerzeugnis

→

Hauptartikel

:

QuÀkerzeugnis

Die Ursache fĂŒr die kaum ausgeprĂ€gte Dogmatik im QuĂ€kertum ist in der Betonung und Gewichtung der persönlichen Erfahrung/Offenbarung zu sehen. Ein (unter QuĂ€kern) oft zitierter Ausspruch soll das verdeutlichen:

“You may say Christ saith this, and the apostles say this, but what canst thou say? Art thou a child of the Light and hast thou walked in the Light, and what thou speakest is it inwardly from God?”

„Ihr mögt sagen: Christus hat dies gesagt und die Apostel jenes – aber was kannst du selbst sagen? Bist du ein Kind des Lichts und bist du im Licht gewandelt, und was du sprichst, ist es im Innersten von Gott?“

Die Bibel steht bei den frĂŒhen und den konservativen QuĂ€kern an zweiter Stelle nach der persönlichen Offenbarung. Bei den liberalen QuĂ€kern ist die Bibel zum Teil optional neben der eigenen spirituellen Erfahrung. Bei evangelikalen QuĂ€kern ist die Bibel der persönlichen Erfahrung gleichgestellt und darf dieser auch nicht widersprechen.

Theologie

→

Hauptartikel

:

QuÀkertheologie

IdentitĂ€tsstiftende Wirkung haben auch die sogenannten RatschlĂ€ge und Fragen,cite-ref-12[12] durch die die Mitglieder und Versammlungen aufgefordert werden, sich und ihr Handeln zu prĂŒfen. Diese RatschlĂ€ge und Fragen sind aber nicht einheitlich unter den verschiedenen FlĂŒgeln des QuĂ€kertums. Und sie werden auch stĂ€ndig weiterentwickelt. UrsprĂŒnglich, zu den Zeiten der heftigen Verfolgungen, wurden die RatschlĂ€ge und Fragen vom Meeting of suffering vom London Yearly Meeting erstellt und landesweit verschickt. Im Vordergrund der Fragen stand damals, ob die Mitglieder trotz der Verfolgung an den Zeugnissen festhielten. Es wurde auch erfragt, wie viele in GefĂ€ngnissen saßen oder erschlagen worden waren, ob GĂŒter konfisziert worden waren und ob Geld gebraucht wurde, sei es wegen HĂ€ndler-Boykotten,cite-ref-13[13] sei es fĂŒr Gerichtsverfahren oder Hinterbliebene. Als die Verfolgung fĂŒr die meisten QuĂ€ker – fĂŒr sie persönlich – nicht mehr im Vordergrund stand, wurden die Fragen und RatschlĂ€ge angepasst.

Bei der Glaubenspraxis der QuĂ€ker kann man heute grob zwei Lager ausmachen. Den evangelikalen QuĂ€kern mit ihrem sogenannten programmierten Gottesdienst und dem Pfarramt stehen die konservativen und die liberalen QuĂ€ker gegenĂŒber, die an der ursprĂŒnglichen Form des Gottesdienstes der frĂŒhen QuĂ€ker festhalten und einen sogenannten unprogrammierten Gottesdienst haben und weiterhin auf hauptamtliche Prediger – also Pastoren – verzichten. Ein programmierter Gottesdienst hat einen geplanten Ablauf, eine unprogrammierte Andacht enthĂ€lt lange Phasen des Schweigens, spontane RedebeitrĂ€ge und keine (geplanten) musikalischen Elemente.

BrÀuche und Organisation

→

Hauptartikel

:

QuÀkergebrÀuche

und

QuÀkerorganisationen

Durch die Zersplitterung in den letzten anderthalb Jahrhunderten gibt es zahlreiche QuĂ€kerorganisationen, die jeweils die eine oder andere Strömung zu vereinnahmen versuchen. Dazu kommt noch eine Reihe von Organisationen mit Lobby-Charakter, die sich fĂŒr bestimmte gesellschaftliche oder politische Ziele einsetzen und die ĂŒber den inneren theologischen Differenzen stehen. Als Beispiel sei hier das Quaker United Nations Office (QUNO) genannt.

Es gibt fĂŒr QuĂ€ker daher keine Unterscheidung zwischen profanen Orten und Zeiten und ihren „heiligen“ Pendants – selbst die gebrĂ€uchliche Benennung der Wochentage wird bis heute durch die Bezeichnungen first day, second day usw. ersetzt. Charakteristisch ist die relative Rituallosigkeit oder -armut der QuĂ€kergemeinden. Bei der traditionellen Versammlung (unprogrammed worship) versammeln sich die Freunde zu einer meist völlig stillen Andacht. Seit dem 19. Jahrhundert wurden unter dem Druck vieler Konversionen zu den protestantischen Gemeinschaften allerdings Gottesdienste nach protestantischem Vorbild mit Lesung, Gesang und teils einer Phase der schweigenden Andacht entwickelt (programmed worship). Die Mehrheit der QuĂ€kergemeinschaften im SĂŒden und Mittleren Westen der USA, in Afrika und Lateinamerika hĂ€lt heutzutage solche programmed worships ab.cite-ref-14[14]

Zur Organisation des QuÀkertums in Deutschland siehe:

→

Hauptartikel

:

Deutsche Jahresversammlung

Siehe auch

‱ Amische
‱ FĂŒr die im Artikel verwendeten Fachbegriffe siehe auch den Artikel „Glossar QuĂ€kertum“.

Literatur

Eigenverlag

‱ Katharina Provinski, Ilse Wandrowsky: Die religiöse Gesellschaft der Freunde (QuĂ€ker). QuĂ€kerhaus, Bad Pyrmont 2002, ISBN 3-929696-29-0.
‱ QuĂ€ker, Glaube & Wirken. Deutsche Übersetzung des Handbuchs zur christlichen LebensfĂŒhrung. Bad Pyrmont 2002, ISBN 3-929696-29-0.
‱ Religion ohne Dogma. Darstellung des Glaubens der QuĂ€ker. Bad Pyrmont 1995, ISBN 3-929696-13-4.
‱ William Taber: Vier TĂŒren zur Andacht, unserem Gottesdienst. QuĂ€kerhaus, Bad Pyrmont 1992, ISBN 0-87574-306-4.

Andere Verlage

Deutsch

‱ Manfred Henke: Wir haben nicht einen Bettler unter uns. Studien zur Sozialgeschichte der frĂŒhen QuĂ€kerbewegung. be.bra verlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-95410-027-9.
‱ William Penn: Ohne Kreuz keine Krone. Eine Studienausgabe. hrsg. von Claus Bernet, Olaf Radicke. Books on Demand, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8391-2608-0.
‱ Claus Bernet: Deutsche QuĂ€kerschriften des 18. Jahrhunderts. Olms, Hildesheim 2007, ISBN 3-487-13408-X.
‱ Claus Bernet: QuĂ€ker aus Politik, Wissenschaft und Kunst. – 20. Jahrhundert. Ein biographisches Lexikon. Bautz, Nordhausen 2007, ISBN 3-88309-398-X.
‱ Claus Bernet: Deutsche QuĂ€kerbibliographie, vollstĂ€ndiges Schriftenverzeichnis des deutschen QuĂ€kertums von den AnfĂ€ngen um 1660 bis heute. Bautz, Nordhausen 2006, ISBN 3-88309-363-7.
‱ SĂŒnne Juterczenka: Über Gott und die Welt: Endzeitvisionen, Reformdebatten und die europĂ€ische QuĂ€kermission in der FrĂŒhen Neuzeit (= Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts fĂŒr Geschichte. Band 143). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2008, ISBN 978-3-525-35458-2 (Dissertation UniversitĂ€t Göttingen 2006, 367 Seiten).

Englisch

‱ Hugh Barber und William J. Frost: The Quakers, Greenwood Press, New York 1988.
‱ Howard H. Brinton: Friends for 350 years. The history and beliefs of the Society of Friends since George Fox started the Quaker movement. Pendle Hill Publications, Philadelphia Penn 1996, ISBN 0-87574-903-8.
‱ H. Larry Ingle: First among Friends. George Fox and the Creation of Quakerism. Oxford University Press, Oxford NY 1994.
‱ Jack D. Marietta: The Reformation of American Quakerism, 1748–1783. University of Pennsylvania Press, Pennsylvania 2007, ISBN 0-8122-1989-9.
‱ Douglas V. Steere: Quaker Spirituality. Selected Writings. Paulist Press, Mahwah, New Jersey, 1984, ISBN 0-8091-2510-2.
‱ C. H. Mike Yarrow: Quaker Experiences in International Conciliation. Yale University Press, New Haven 1978, ISBN 978-0-300-02260-5.

Weblinks

Commons

: Quaker

– Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Wiktionary: QuÀker

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Wikibooks: EinfĂŒhrung in das QuĂ€kertum

– Lern- und Lehrmaterialien

Wikisource: QuÀkertum

– Quellen und Volltexte

‱ Friedensausschuss Weblog.
‱ Website der Deutschen Jahresversammlung (der deutschen und österreichischen QuĂ€ker).
‱ AnfĂ€nge des QuĂ€kertums, Website quaker.org.
‱ Internationale QuĂ€ker-Linksammlung (englisch).
‱ QuĂ€ker-Hilfe Stiftung.
‱ Website der Schweizer Religiösen Gesellschaft der Freunde.

Externe Weblinks

‱ Anne Kampf: Freikirchen: Die Religiöse Gesellschaft der Freunde (QuĂ€ker), Website evangelisch.de (23. November 2015).
‱ Carsten Claussen: QuĂ€ker / Religiöse Gesellschaft der Freunde, Website konfessionskunde.de.
‱ Informationen der Nobelstiftung zur Preisverleihung 1947 an die QuĂ€ker (englisch)

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ Udo Schemmel: QuĂ€ker und Recht. Lit Verlag Dr. W.Hopf, Berlin 2021, ISBN 978-3-643-14862-9, S. 11.
cite-note-22. ↑ Dass die frĂŒhen QuĂ€ker (nicht nur in Deutschland) als „eschatologische Erweckungsbewegung“ eingestuft werden können, weist Claus Bernet in seinem Buch Gebaute Apokalypse ISBN 3-8053-3706-X nach.
cite-note-staehelin-34-33. ↑ George Fox – Aufzeichnungen und Briefe des ersten QuĂ€kers. Übersetzerin: Margrit StĂ€helin, Verlag I.C.B. Mohr (Paul Siebeck), TĂŒbingen 1908, S. 34.
cite-note-44. ↑ George Fox – Aufzeichnungen und Briefe des ersten QuĂ€kers. Übersetzerin: Margrit StĂ€helin, Verlag I.C.B. Mohr (Paul Siebeck), TĂŒbingen 1908, S. 101–102.
cite-note-55. ↑ Voltaire: Letter on The English Or Lettres Philosophiques. Hrsg.: Generic NL Freebook Publisher. Hoboken New Jersey, ISBN 978-0-585-05039-3, S. 4.
cite-note-66. ↑ Pink Dandelion: An Introduction to Quakerism. 2007, ISBN 0-521-60088-X, S. 29.
cite-note-77. ↑ Bei dem ĂŒberlebenden Missionar handelte es sich um John Perrot und bei dem getöteten um John Luffe (Love). Siehe Claus Bernet: PERROT, John. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 20, Bautz, Nordhausen 2002, ISBN 3-88309-091-3, Sp. 1160–1167.
cite-note-81. Pink Dandelion: The Quakers: A Very Short Introduction. Oxford University Press, Oxford 2008, ISBN 0-19-920679-1, S. 108.
cite-note-99. ↑ Ben Dandelion, Quakerism: An intruduction, Cambridge University Press, 2007, S. 134
cite-note-1010. ↑ T. Vail Palmer, 'A long road', 2017, Barcly Press, Seite 34.
cite-note-1111. ↑ Simon Jenkins, "The Quakers, are right. We don't need God", 4.5. 2018, The Guardian, [1]
cite-note-1212. ↑ Die „RatschlĂ€ge und Fragen“ online
cite-note-1313. ↑ Irgendwann schlug die Situation in das Gegenteil um, und die QuĂ€ker wurden sehr beliebt als Handelspartner, da sich herumsprach, dass sie nicht betrögen. George Fox – Aufzeichnungen und Briefe des ersten QuĂ€kers. Übersetzerin: Margrit StĂ€helin, Verlag I.C.B. Mohr (Paul Siebeck), TĂŒbingen 1908, Kapitel 7, S. 83.
cite-note-1414. ↑ Oliver KrĂŒger: Die Bedeutungslosigkeit von Ritualen und die Rituallosigkeit der QuĂ€ker. Anmerkungen zur Ritualtheorie von Frits Staal. In: Nicht alle Wege fĂŒhren nach Rom. hg. von Oliver KrĂŒger, Lembeck Verlag, Frankfurt 2007, S. 95–113.